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Ostalgarve: die Küste, die hinter einer Lagune liegt

Aktualisiert 10. September 2026 · 8 Min. Lesezeit

Ria Formosa: Armona und Culatra Inseln 3-stündige Bootstour

Wer „Algarve” hört, sieht orange Felsen, Grotten und eine Bucht zwischen zwei Klippen. Diese Algarve gibt es, und sie liegt im Westen. Der östliche Teil – auf Portugiesisch Sotavento, die Leeseite – sieht vollkommen anders aus, und der Unterschied ist keine Stilfrage, sondern Geologie.

Zwischen Faro und der spanischen Grenze liegt kein Fels vor dem Meer, sondern Wasser vor dem Wasser: die Ria Formosa, eine Lagune, die vom Atlantik durch eine Kette von Sandinseln getrennt ist. Sie zieht sich über rund 60 Kilometer, umfasst etwa 18.400 Hektar und ist seit 1987 Naturpark. Fünf Barriereinseln – Deserta, Culatra, Armona, Tavira und Cabanas – und zwei Halbinseln, Ancão im Westen und Cacela im Osten, halten das offene Meer draußen.

Praktisch heißt das: Die meisten Strände dieser Gegend erreicht man mit einem Boot. Und die Boote fahren nach Gezeiten, nicht nach Wunsch.

Die Gezeiten sind hier kein Detail

An der Westküste ist Ebbe eine Frage, wie weit man zum Wasser läuft. In der Ria Formosa entscheidet sie darüber, ob eine Fahrt überhaupt stattfindet. Bei ablaufendem Wasser fallen ganze Flächen trocken; Kanäle, die vormittags einen Meter Wasser führen, sind nachmittags Sandbank.

Deshalb steht bei den Lagunenfahrten die Abfahrtszeit nicht frei zur Auswahl, und deshalb verschieben Anbieter kurzfristig. Das ist kein schlechter Service, sondern der Grund, warum die Boote nicht auflaufen. Wer hier plant, plant um das Wasser herum – ein Gezeitenkalender fürs jeweilige Datum ist die nützlichste Vorbereitung überhaupt.

Der Nebeneffekt für Familien ist angenehm: In der Lagune gibt es kaum Dünung. Wer an der Westküste seekrank wird, ist hier oft beschwerdefrei. Mehr dazu in Bootstour mit Kindern: ab welchem Alter.

Olhão: der Markt und die drei Inseln

Olhão, gut zwanzig Kilometer westlich von Tavira, ist kein hübscher Ort im Postkartensinn und die interessanteste Stadt der Gegend. Die zwei Backsteinhallen am Hafen sind ein arbeitender Markt: Fisch in der einen, Obst und Gemüse in der anderen, samstags am vollsten, vormittags am ehrlichsten.

Vom Kai daneben legen die Boote zu drei Inseln ab. Armona ist die mit den meisten Häusern und dem Sommerdorf, Culatra hat eine echte Fischergemeinde mit Schule und Feuerwehr, Farol heißt nach dem Leuchtturm am Westende derselben Insel. Auf keiner fährt ein Auto: Wer dort etwas transportieren will, zieht einen Handkarren. Als Tagesausflug funktionieren alle drei, und es ist der billigste Ausflug an dieser Küste – die Überfahrten kosten wenige Euro, und sie laufen das ganze Jahr, wenn auch im Winter deutlich seltener.

Die Stadt selbst hat einen würfelförmigen Baustil, der eher an Nordafrika erinnert als an Portugal – flache Dächer mit Terrassen, açoteias, auf denen früher Feigen getrocknet wurden.

Fuseta, Cacela Velha, Manta Rota

Zwischen Olhão und der Grenze liegen drei sehr unterschiedliche Orte.

Fuseta ist ein Fischerdorf mit einem Lagunenarm, in dem man bei Niedrigwasser bis zur Insel waten sieht – tun sollte man das nur mit jemandem, der die Priele kennt, denn das Wasser kommt schnell zurück.

Cacela Velha besteht aus einer Handvoll weißer Häuser, einer kleinen Kirche und einer Festungsmauer auf einer Klippe über der Lagune. Mehr ist es nicht, und es ist einer der meistfotografierten Orte der Ostalgarve. Unten liegt eine Sandbank, die Praia da Fábrica, zu der ein Fischer übersetzt, wenn Betrieb ist – ein paar Minuten Fahrt, bar zu bezahlen, ohne Fahrplan. Parkplätze gibt es kaum; wer um elf im Sommer kommt, findet keinen. Gastronomie beschränkt sich auf zwei Adressen, und im Winter kann auch die geschlossen haben.

Manta Rota, Altura und Monte Gordo sind die Ausnahme von der Bootsregel: Ab dort hört die Inselkette auf, der Strand liegt am Festland und man geht vom Parkplatz auf den Sand. Monte Gordo ist der einzige Ort im Osten mit Hochhäusern, Kasino und Pauschalbetrieb – wer das sucht, findet es dort, und wer es meidet, weiß jetzt, wo es ist.

Castro Marim und Vila Real: Salz, Vögel, ein Raster

Ganz im Osten, wo der Guadiana die Grenze bildet, liegt das Naturreservat Sapal de Castro Marim e Vila Real de Santo António: über 2.000 Hektar Salzwiese, Priele und Salinen, in denen rund 170 Vogelarten regelmäßig auftreten – Störche, Säbelschnäbler, Strandläufer und Flamingos in wechselnder Zahl. Das Salz wird hier weiter geerntet, teils von Hand, und es ist das Hauptsouvenir der Gegend.

Über den Becken steht die Burg von Castro Marim aus dem 13. Jahrhundert, dazu das Forte de São Sebastião aus dem 17. Von der Mauer sieht man auf spanisches Gebiet.

Vila Real de Santo António ist ein Sonderfall. Die Stadt wurde 1774 auf Anordnung des Marquês de Pombal in fünf Monaten aus dem Boden gestampft, nach einem strengen Rasterplan, der der wiederaufgebauten Lissabonner Baixa nachempfunden ist. Wer den Hauptplatz mit dem schwarz-weißen Pflaster betritt, sieht Stadtplanung des 18. Jahrhunderts in einem Stück. Von hier setzt eine Fähre nach Ayamonte über, und drüben ist eine Stunde später – dazu gleich mehr.

Flussaufwärts: Alcoutim und die Seilrutsche über die Grenze

Der Guadiana ist der übersehene Teil der Ostalgarve. Von Vila Real führt eine Straße rund fünfzig Kilometer flussaufwärts durch leeres Hügelland nach Alcoutim, einem Dorf mit Burg, das seinem spanischen Gegenüber Sanlúcar de Guadiana über das Wasser hinweg gegenübersteht.

Zwischen beiden hängt eine Seilrutsche: 720 Meter über den Fluss, 70 bis 80 km/h, von Spanien nach Portugal. Sie kostet ab rund 25 € pro Person und fährt nicht jeden Tag: außerhalb des Hochsommers ist montags und dienstags geschlossen, und die Zeiten richten sich nach dem Tageslicht. Der schönste Teil ist eine Zeitzonengrenze: Der Betrieb geht nach spanischer Uhr, und weil Portugal eine Stunde zurückliegt, kommt man rechnerisch eine Stunde vor dem Absprung an.

Wer nicht springen will, nimmt das kleine Fährboot – dieselbe Strecke, dieselbe Zeitverschiebung, weniger Adrenalin.

Das Hinterland: Serra do Caldeirão

Nördlich der Küste steigt das Land in die Serra do Caldeirão, ein Schiefergebirge mit Korkeichen, Zistrosen und Dörfern, in denen im Winter mehr Leute leben als im Sommer. Es gibt Wanderwege, Wasserläufe, die im Sommer trockenfallen, und sehr wenig Beschilderung.

Geführte Fahrten kombinieren das Hinterland gern mit den Salinen und einem Badestopp; eine davon kostet rund 79 € und dauert drei Stunden. Auf eigene Faust braucht es ein Auto, Zeit und die Bereitschaft, an einer Kreuzung ohne Schild eine Entscheidung zu treffen.

Ehrlich: wofür die Ostalgarve der falsche Ort ist

Keine Grotten, keine Steilküste, keine Bootsfahrt in eine Höhle. Wer diese Bilder im Kopf hat, muss anderthalb bis zwei Autostunden nach Westen – von hier aus ist das ein Tagesausflug mit sehr viel Straße.

Kein Wellenreiten. Die Lagune schützt die Küste, das ist ihr Sinn; Surfschulen liegen an der Westküste.

Kaum Nachtleben außerhalb von Monte Gordo. Und im Winterhalbjahr fährt ein Teil der Boote nicht, mehrere Strandbars haben zu, und manche Inselverbindung wird sporadisch.

Was die Gegend dafür hat: wärmeres Wasser als der Westen, im Spätsommer um die 21 Grad, flach abfallende Strände, weniger Andrang, kürzere Anfahrten – und Orte, die auch im Februar bewohnt sind.

Wie man sich hier bewegt

Die Bahnlinie der Algarve läuft die ganze Ostküste entlang, von Faro über Olhão, Fuseta, Tavira bis Vila Real de Santo António. Sie ist langsam, billig und hält in fast jedem Ort, der etwas taugt. Für die Küstenorte braucht es deshalb keinen Mietwagen; für Castro Marim, Alcoutim und die Serra braucht es einen.

Was von Tavira aus buchbar ist, steht nach Art sortiert auf den Seiten Ria Formosa Bootstouren, Salinen und Flamingos, Kulinarische Touren und Ausflüge in Tavira. Was die Stadt selbst zu bieten hat – Brücke, Kastell, Inselstrände –, steht in Tavira Sehenswürdigkeiten, und wer mit Kindern unterwegs ist, sortiert die Tage besser nach Tavira mit Kindern.

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